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07.10.2019

Die richtige Flachdach­abdichtung

Die richtige Flachdachabdichtung – die wichtigsten Punkte im Überblick

DICHTUNGSMATERIAL

Bitumen

Als ein Nebenprodukt der Erdölproduktion wird das Destillationsbitumen angereichert mit Polymeren, die für eine verbesserte UV-Beständigkeit sorgen.

Eigenschaften: widerstandsfähig, wasserundurchlässig, witterungsbeständig, unempfindlich gegenüber Laugen, Salzen und Säuren

Anschaffungskosten: niedrig

Lebensdauer: 10–15 Jahre

Ökobilanz: nicht besonders zufriedenstellend

EPDM

EPDM ist ein synthetisch hergestellter Kautschuk und steht für Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk der M-Gruppe. Das Material eignet sich hervorragend für besonders hochwertige Flachdachabdichtungen und ist dauerhaft elastisch bei einem breiten Temperaturspektrum.

Eigenschaften: geeignet für jede Art von Flachdachkonstruktion, verträglich mit Bitumen, UV- und Ozon- und witterungsbeständig, extrem dehnbar, einfache und schnelle Verarbeitung ohne offene Flamme und Hitzeeinwirkung auf die Flachdachdämmung und -oberfläche, wurzelfest und geringes Gewicht, besonders geeignet für Leichtbaukonstruktionen

Anschaffungskosten: höher als Bitumenbahnen und höher als „einfache“ Kunststoffmaterialien

Haltbarkeit: 50 Jahre plus

Ökobilanz: hervorragend

Kunststoff

Moderne Kunststoffmaterialien sind eine echte Alternative zu herkömmlichen Bitumenabdichtungen. PVC-Folien oder -Lagen sind ebenso wasserdicht, sehr widerstandsfähig und mit 1,5 bis 3 mm Stärke wesentlich leichter als Bitumenbahnen.

Eigenschaften: leicht und robust, elastisch, wasserdicht und wetterbeständig

Anschaffungskosten: teurer als Bitumen, preiswerter als „echtes EPDM“ (flüssiger Kunststoff ist allerdings die teuerste Variante)

Lebensdauer: Es gibt Hersteller von Kunststoffmaterialien, die eine Haltbarkeit von über 30 Jahren bestätigen.

Ökobilanz: gut

UNSER TIPP: Bei der Betrachtung sämtlicher Kosten und Aufwendungen für das Flachdach über die gesamte Lebensdauer hinweg einschließlich Instandhaltungsmaßnahmen und Pflege wird deutlich, dass eine Investition in höherwertige Verarbeitungsmaterialien bei den Dachabdichtungen die finanziellen Aufwendungen über die gesamte Laufzeit wieder ausgleicht. Mit der Verwendung von EPDM zum Beispiel werden die Dacharbeiten einfacher, schneller und sicherer, da aufwendige „Feuerverfahren“, wie beim Auftragen von herkömmlichen Dichtungen (Bitumen), entfallen. Das spart Zeit und Geld. EPDM ist nahezu wartungsfrei und gehört mit seiner extrem langen Haltbarkeit zu den umweltfreundlichsten Werkstoffen überhaupt.

 

VERARBEITUNG UND EINBAU

Die richtige Dachabdichtung gehört zu den anspruchsvollsten Dacharbeiten überhaupt und sollte in jedem Fall so erfolgen, dass Dachaufbau und Wärmedämmung unbeschädigt, sauber und trocken sind. Die aktuell gültigen Regelungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) sollten bei einer Dachsanierung unbedingt beachtet werden.

Abdichtung mit Bitumen und flüssigem Bitumen:
Schweißverfahren

Bitumenbahnen werden in der Regel im „Schweißverfahren“ direkt mit der blanken Dachoberfläche verbunden. Hierbei werden die Bitumenbahnen bei einer offenen Flamme so weit erhitzt, dass die untere Bitumenschicht am Untergrund haften bleibt. Eine Trägereinlage bei den Bitumenbahnen sorgt mit Polyester, Glas oder Jute für zusätzliche Stabilität und Festigkeit. Zum äußeren Schutz bilden kleine Gesteinskörnungen eine obere Deckschicht. An den jeweiligen Nahtstellen und Übergängen werden die Bahnen zusätzlich mit großer Hitze verschweißt. Dieses Verfahren ist für die ausführenden Dachdecker natürlich nicht ganz ungefährlich. Verletzungs- und Brandgefahren sollten streng beachtet und alle Schutzmaßnahmen eingehalten werden.

Kaltklebeverfahren

Wer sich für das Kaltklebeverfahren bei der Bitumenabdichtung entscheidet, benötigt spezielle Bitumenbahnen, die mit einer speziellen Klebefläche auf der Unterseite versehen sind.

Flüssiges Bitumen

Das flüssige Bitumen wird auf der Dachoberfläche ausgegossen und verteilt. Ein spezielles Vlies wird zur Verstärkung (Armierung) eingedrückt. Klarer Vorteil: Es bestehen keine Nahtverbindungen, durch die Feuchtigkeit eindringen könnte. Komplizierte Aufbauten wie Durchdringungen, Lichtkuppeln, Dachabläufe und schwer zugängliche Dachstellen können mit flüssigem Bitumen gut abgedichtet werden; das Material passt sich allen Konturen problemlos an, komplizierte Befestigungen am oberen Rand entfallen bei dieser Abdichtungsmethode.

Abdichtung mit Kunststoff und flüssigem Kunststoff:
Kunststoffbahnen

Eine wirtschaftliche Alternative zu Bitumen sind moderne Kunststoffbahnen. Diese werden einlagig verlegt, häufig auf einer schützenden Vliesunterlage. Die einfache Handhabung spart also Zeit und Geld. Zudem kommt sehr viel weniger Gewicht auf die Dachfläche.

Flüssiger Kunststoff

Als Alternative bietet sich auch eine Abdichtung mit Flüssigkunststoffen an. Innovative Ein-Komponenten-Stoffe sind ohne Anmischen sofort gebrauchsfertig und sehr schnell wasserdicht. Der Flüssigkunststoff wird entweder auf eine Vliesunterlage aufgetragen oder enthält verstärkende Fasern als Bestandteil. Die Dachoberfläche muss frei sein von Staub, Fetten und Ölen. Auch schwierige Dachstellen können mit dem flüssigen Kunststoff problemlos abgedichtet werden.

Abdichtung mit EPDM

Durch hohe Elastizität, ein geringes Gewicht und hervorragende Verarbeitungseigenschaften kann EPDM in der Vorfertigung als eine auf die Passform des Daches zugeschnittene Plane in nahezu einem Arbeitsgang sehr schnell auf dem Dach fixiert werden.

EPDM kann auch in einzelnen Bahnen verlegt werden. Hier kommen, anders als beim Auftragen von Bitumenbahnen, keine offenen Flammen zur „Verschweißung“ zum Einsatz.

Das synthetische Kautschukprodukt EPDM ist nahezu mit allen Dachuntergründen kompatibel und einfach in der Handhabung. Es erleichtert die Detailausbildung bei Aufbauten und eignet sich durch seine „Wurzelfestigkeit“ bestens als Untergrund für Dachbegrünungen. Zudem ist das Material nahezu wartungsfrei über die gesamte Gebrauchsdauer, was wiederum weniger Kosten für Unterhalt, Gebäudereparaturen oder Sanierung verursacht.

Die einlagigen EPDM-Bahnen oder -Planen gehören aktuell zu den umweltfreundlichsten Werkstoffen für Dachabdichtungen überhaupt und lassen sich sehr gut recyceln.

UNSER TIPP: Als gutes Zusatzwerkzeug bietet sich der Einsatz von Drohnen mit hochauflösenden Bildern für jede Art von Dachinspektion an. Hierdurch wir die Erstellung des Aufmaßes und eines Angebots erleichtert, Ihre Kunden werden begeistert sein. Zudem können Sie mit einer speziellen Wärmebildkamera an der Drohne den Wärmeschutz und den Isolationsgrad überprüfen und Schwachstellen leichter identifizieren. Voraussetzung ist ein gutes räumliches Denken und ein sicherer Umgang mit der Drohne sowie Kenntnis der rechtlichen Rahmenbedingungen im Einsatz von Drohnen (Verordnung zur Regelung des Betriebs von unbemannten Fluggeräten vom 30. März 2017 – so genannte Drohnenverordnung).

 

SANIERUNGSMASSNAHMEN

Viele Bauherren und Immobilienbesitzer entscheiden sich im Laufe der Zeit für eine energetische Teil- oder Vollsanierung. Hierzu gehört eine neue Dachgestaltung, eine moderne Wärmedämmung und natürlich eine sichere Oberflächenversiegelung mit dem richtigen Abdichtungsmaterial. Ökologische Gesichtspunkte bei der Wahl des zu verwendenden Materials rechnen sich eindeutig für den Geldbeutel, senken die Energiekosten und gewährleisten den Schutz der Umwelt. Alle Baustoffe sollten dabei besonders langlebig, schadstoffarm und recycelbar sein.

Der Bund fördert diese Sanierungsmaßnahmen mit zinsgünstigen Krediten und Fördergeldern.

UNSER TIPP: Mit einer „Raster-Index-Feuchtmessung“ identifizieren Sie schnell und präzise die Feuchtverteilung im Dachaufbau in Bauteilen an der Oberfläche und im Volumen. Somit haben Sie eine gute Ausgangslage für die weitere Planung, ob der alte Dachaufbau in Gänze oder nur in Teilbereichen erneuert werden muss.

 

OBERFLÄCHENSCHUTZ

Abgesehen von Gründächern und begrünten Flachdächern stellt sich die Frage nach einem zusätzlichen Schutz für die Dachoberfläche.

Kiessteine

Vorteile: zusätzlicher UV-Schutz, guter Feuchtigkeitsspeicher und -abtransport, Stabilisierung des Dämmmaterials

Nachteile: Pflegeaufwand erhöht sich deutlich, Beachtung der Statik, undichte Stellen und Lecks sind unter dem Kies schwerer zu identifizieren

UNSER TIPP: Eine Flachdachbekiesung ist empfehlenswert, wenn das Gebäude freisteht und sich kein Baumbewuchs in der Nähe befindet. Hierdurch lässt sich die Verschmutzung des Daches durch herabfallende Blätter oder Baumsamen vermeiden.

 

GEFÄLLE BEIM FLACHDACH

Für einen schnellen und sicheren Niederschlagwasserabfluss muss das Flachdach eine Neigung von 2 bis maximal 8 Prozent aufweisen. Nur so wird gewährleistet, dass es nicht zu unerwünschten und längeren Pfützenbildungen auf dem Dach kommt.

 

FLACHDACHENTWÄSSERUNG

Niederschlag und Wasser sollten auf einem Flachdach möglichst schnell und einfach abfließen können.

Freispiegelentwässerung: Diese nach innen abgeführten Fallleitungen sorgen für einen freien Ablauf. Je nach Dachgröße werden mehrere Gullys verwendet. Diese Dachabläufe müssen an den Tiefpunkten der Dachfläche angeordnet und in der Unterkonstruktion befestigt werden.

Druckentwässerung: Mit Unterdruck wird das stehende Wasser vom Flachdach abgesogen.

Notentwässerung: Bei diesem Abflusssystem wird das Regenwasser auf eine freie Bodenstelle (zum Beispiel im Garten) gelenkt. Bei Extremniederschlägen können die normalen Entwässerungsabläufe überfordert sein.

Die Regelungen für die richtige Planung und Einrichtung der Flachdachentwässerung finden Sie in den Vorschriften DIN EN 12056-3, DIN EN 1986 und DIN EN 153.

 

DURCHDRINGUNGEN von Dachabdichtungen

Blitzschutzeinrichtungen, Rohrleitungen, Geländeschutzanlagen, Schornsteine, das Entwässerungssystem und andere Aufbauten (wie zum Beispiel Solar- und Klimaanlagen) „durchdringen“ die gesamtflächige Dachabdichtung punktuell und bedürfen einer besonderen Aufmerksamkeit. Dichtungsmanschetten, Klebe- und Klemmflansche und Flüssigabdichtungen sollten die Durchdringungen dicht und sicher machen. Es ist ein Mindestabstand von 30 cm zwischen der jeweiligen Durchdringung und anderen Bauteilen zu beachten.

UNSER TIPP: Dachrandabschlüsse und Abdichtungen bei Durchbrüchen und Aufbauten sollten besonders sorgfältig gestaltet werden.

 

KOSTEN UND FÖRDERMÖGLICHKEITEN

Eine Flachdachsanierung mit neuen Abdichtungen und Wärmedämmung kann erhebliche Aufwendungen bedeuten. Umso schöner für die Umwelt und das Portemonnaie des Bauherrn ist es, wenn das Flachdach energieeffizient gestaltet wird. In diesem Fall beteiligt sich die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) an den Kosten mit zinsgünstigen Krediten und attraktiven Investitionszuschüssen. Weitere Informationen gibt es direkt bei der KfW und im Internet (KfW-Programme 152 und 430).

Grundsätzlich gilt: Eine Flachdachsanierung mit einer „reinen“ Erneuerung der Dachabdichtungen ist nicht förderungswürdig.

UNSER TIPP: Staat und Kommunen unterstützen und belohnen Sie bei Dachsanierungen und der Umsetzung begrünter Dachflächen. In unserem Informationspapier zu den Förderbestimmungen für Gründächer stellen wir Ihnen die wichtigsten Punkte zusammen.

 

WARTUNG UND INSTANDHALTUNG

Jede Art von Verschmutzung und Verkrustung, Blätter, Unrat und auch Eisbildungen schaden Ihrem Flachdach und Ihrem Haus und sollten immer zeitnah entfernt werden. Ein sauberes und möglichst trockenes Dach und freie Abläufe sind oberste Pflicht eines jeden Hausbesitzers. Eine zweimal jährliche Kontrolle sorgt dafür, dass alterungsbedinge Wetterschäden rechtzeitig erkannt und entfernt werden. Sämtliche Anschlüsse, Abflüsse, Fugen, Lichtkuppeln, Gullys und Durchdringungen müssen dicht, sauber, frei und voll funktionsfähig sein.

Auch die „bestmögliche“ Dämmung muss sauber gehalten und kontrolliert werden. Je nach Flachdachnutzung kommen Hartschaumplatten, Mineralwolldämmstoffe und Schaumglas zum Einsatz. Mit der „richtigen“ Dämmung bei einer Flachdachsanierung zum Beispiel bleiben hohe Heizkosten und Energieverbrauch außen vor.

 

GRÜNDÄCHER

Begrünte Flachdächer und Flächen können die Lebensdauer eines Flachdaches deutlich verbessern. Zudem sorgen diese sogenannten Retentionsflächen in der Stadt für ein besseres Klima, eine Senkung der Staubbelastung und Entlastung der Abwasserkanäle bei Extremwitterungen. Nicht umsonst unterstützen deutschlandweit Kommunen und Städte Flachdachbegrünung mit direkten und indirekten Zuschüssen.

Die Vorteile einer Flachdachbegrünung in der Übersicht:

  • Verbesserung von Schallschutz und Wärmedämmung
  • Senkung der Energiekosten
  • Reduzierung der Wärmeabstrahlung
  • Förderung Stadtklima
  • Entlastung des Entwässerungssystems
  • Schaffung von Nutzflächen (Dachgarten) und neuen Lebensräumen für Vogel- und Insektenwelt

Ein Fachmann sollte im Vorfeld der Planung die Statik des Gebäudes untersuchen. Im Bebauungsplan der betreffenden Stadt sollten Gründächer zugelassen sein.

Anforderungen an „genutzte“ Dächer finden sich in der Normenreihe 18531 bis 18535 für die unterschiedlichen Bauteilarten sowie der DIN 18195, die Begriffsdefinitionen und Abkürzungen bereit hält, aber keine Regelungen für Planung und Ausführung von Abdichtungen ausführt.

UNSER TIPP: Auf die Pflege kommt es an. Für eine lange Lebensdauer des Flachdaches ist es entscheidend, dass Sie mindestens ein- bis zweimal im Jahr Inspektionen und Instandhaltungsarbeiten durchführen. Diese Arbeiten sollten kontinuierlich dokumentiert werden. Eine einfache und kostenlose „Checkliste für die Dachinspektion“ finden Sie auf unserer Website im Download-Bereich/ Mediathek.

Übrigens: eine aktuelle Umfrage unter Architekten und „Dachprofis“ zeigt, dass Flachdächer der neue Trend in den nächsten Jahren werden. 33 Prozent der Befragten sehen einen steigenden Anteil dieser Dachart; weitere 36 Prozent erwarten einen steigenden Bedarf an Gründächern und Dachbegrünungen (Quelle: www.meistertipp.de).

Gut zu wissen, dass jeder Dachdeckerprofi und Dachhandwerker mit der „Flachdachbibel“, der Deutschen Industrienorm DIN 18531 Flachdachrichtlinie, und dem Regelwerk für Abdichtungen vertraut ist. In diesen relevanten Vorschriften sind alle Standards zur Abdichtung von Flachdächern ausführlich beschrieben.

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