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22.06.2020

Der Stoff, der unter die Haut geht

Der Stoff, der unter die Haut geht

EPDM im Einsatz für die Fassaden- und Bauwerksabdichtung

Viele Planer, Bauherren und Handwerker sind überzeugt vom Synthesekautschuk EPDM als Material für die Dachabdichtung, doch nicht nur on top auf dem Gebäudedach zeigt der Werkstoff, was er kann. Zum Schutz der Bausubstanz gegen Wind und Wetter sind EPDM Produktlösungen im ganzen Objekt im Einsatz, vom Dach über die Fassade bis zum Fundament.

Mehr als nur Ansichtssache

Die Fassade ist ein planerisch und bautechnisch hoch komplexer Bereich eines Gebäudes. Das Wort „Fassade“ hat seinen Ursprung im lateinischen „facies“, also „Gesicht“, was schon auf die Doppelfunktion der Fassade hinweist. Denn schon seit den Anfängen der Baukunst ist sie mehr als nur die rein zweckmäßige Umhüllung des umbauten Raumes; sie ist zugleich gestalterische Aussage, hat repräsentative Aufgaben und ist Ausdruck der Kultur von Regionen. Aber es geht eben nicht nur um Optik und Äußerlichkeiten. Vielmehr ist das Gesicht immer auch ein Spiegel des Inneren, des Wesens oder Charakters einer Persönlichkeit. Und wie die Gesichtshaut jeder Witterung ausgesetzt ist und Schutz braucht, um gesund und attraktiv zu bleiben, so auch die Gebäudehaut.

Aus gutem Grund also hat die Fassade und ihre Konstruktion für Bauherren und Architekten einen ganz besonderen Stellenwert. Je nach Objektgröße und statischen Bedingungen, geplanter Nutzung, Umgebungseinflüssen, städtebaulichen Auflagen und gestalterischem Willen muss die optimale Lösung gefunden werden. Dabei sind auch Aspekte wie Energieeffizienz und Wohn- bzw. Arbeitskomfort zu beachten.

Die Belastungen, denen die Fassade als Schnittstelle zwischen dem Gebäudeinneren und der äußeren Umgebung ausgesetzt ist, sind vielfältig. Die Gebäudehaut muss Wind, Niederschläge und Emissionen verkraften, Feuchte von innen unschädlich machen und nach beiden Seiten möglichst großen Schall- und Wärmeschutz bieten. Neuralgische Punkte sind zudem Durchdringungen, wie Fenster, Türen, Balkone, sowie erdberührte Bereiche, wie Keller, Tiefgaragen oder Terrassen

Vielschichtig – die vorgehängte hinterlüftete Fassade

Grundsätzlich werden ein- und mehrschalige Fassadenkonstruktionen unterschieden. Einschalig sind zum Beispiel statisch tragende Außenwandkonstruktionen aus Mauerwerk, Stein oder Beton, in die Wärmedämmung und Abdichtung direkt integriert sind. Mehrschalige Konstruktionen sind so genannte Doppelfassaden mit zwei Ebenen: Die äußere Ebene hat die Aufgabe, Umwelteinwirkungen abzuhalten, sie bildet die Wetterhaut des Gebäudes. Die innenliegende Ebene bildet den Abschluss zum gedämmten Gebäude. Zwischen den beiden Ebenen befindet sich ein Zwischenraum von mindestens 20 cm, der als thermische Pufferzone für den Wärmeausgleich dient.

Bei gewerblichen oder öffentlichen Objekten, insbesondere Hochhäusern, aber auch im privaten Wohnungsbau ist eine weit verbreitete Form der Doppelfassade die vorgehängte hinterlüftete Fassade, abgekürzt VHF. Als bauphysikalisch besonders günstige Bauweise bietet die vorgehängte hinterlüftete Fassade durch ständige Luftzirkulation Vorteile für die Energieeffizienz sowie den Wärme- und Feuchthaushalt des Gebäudes.

Nicht verwechselt werden darf die vorgehängte hinterlüftete Fassade mit der Vorhangfassade. Eine Vorhangfassade (engl. curtain wall) wird als Außenwandverkleidung ohne Zwischenraum und Hinterlüftung an der tragenden Wandkonstruktion angebracht.

Die Grafik zeigt das System einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade: Das Gebäudetragwerk, beispielsweise Mauerwerk oder Beton, ist der statisch tragende Teil der Konstruktion, der auch die Wärmedämmung übernimmt. Zur Dämmung werden u.a. Mineralwolle, Holzfaserdämmstoffe, Polystyrol, Polyurethan oder Glasschaum eingesetzt. Auf dem Gebäudetragwerk als Verankerungsgrund wird eine Unterkonstruktion angebracht, an der die Wetterhaut des Gebäudes montiert wird. Für diese Außenhülle können unterschiedlichste Außenwandverkleidungen eingesetzt werden, wie Holz, Naturstein, Keramik, Metall oder Glas.

Die Fassade aufrechterhalten

Schon minimale Undichtigkeiten, zum Beispiel an den Verbindungen einzelner Fassadenelemente, Durchdringungen oder Bauteilfugen, können dazu führen, dass Nässe von außen in das Tragwerk eindringt und Bauteile schädigt. Auch das Management des Feuchtehaushalts in der Fassadenkonstruktion spielt eine große Rolle: In jedem Gebäude, in dem gelebt und gearbeitet wird, werden erhebliche Mengen an Wasserdampf erzeugt. Diese Luftfeuchtigkeit kann im Tragwerk kondensieren (Tauwasserbildung), verbleibt das Wasser in den Bauteilen, kann das zu Schäden führen.

Hier kommt EPDM Abdichtungsfolie ins Spiel. EPDM Streifen, Unterspannbahnen oder –planen sorgen für den wasser- und winddichten Abschluss nach innen und schützen die Dämmschicht. Je nach Ausführung und Einsatz als wasserdampfdurchlässige, diffusionsoffene Folie oder als Dampfsperre. Auch für spezielle feuchtetechnische Beanspruchungen wie beispielweise bei Küchen, Bädern oder Sporthallen ist der Werkstoff geeignet.

Fassadendurchdringungen bzw. Öffnungen wie Fenster, Türen und Balkone sind Schwachstellen am Gebäude. Anschlussfugen zwischen Rahmen und Fassade als potentielle Eintrittsstellen für Feuchtigkeit müssen regen-, wind- und luftdicht abgedichtet sein. Auch um Schimmelbildung zu verhindern. Bei unterschiedlicher Außen- und Innentemperatur können hier zudem Wärmebrücken entstehen. Um ein wohngesundes Raumklima und eine gute Energieeffizienz zu sichern, müssen Wärmeverluste durch Konvektion, also austretende Luft, vermieden werden.

Auch hier bieten sich die hoch elastischen EPDM Produkte als effiziente und sichere Lösung an. Verarbeiter können aus einer Vielzahl von Dichtprofilen, Abdichtbändern und –streifen, Manschetten, Form- und Anschlussteilen sowie Klebe- und Befestigungssystemen je nach Einsatzbereich, Untergrundmaterialien und speziellen Anforderungen wählen.

Bodenständig – EPDM für die Bauwerksabdichtung

Luftschlösser haben kein Problem mit Bodenfeuchte, drückendem Wasser, Spritz- oder Sickerwasser – realen Gebäuden setzt das nasse Element dagegen heftig zu. Deshalb muss jedes Gebäude von Grund auf gut abgedichtet werden. Zur Bauwerksabdichtung gehören alle Maßnahmen zum Schutz der Bausubstanz gegen Wasserschäden in den erdberührten Bereichen eines Gebäudes. Betroffene Bereiche sind Terrassen, Keller und Tiefgeschosse, Behälter sowie Tiefgaragen und befahrene Verkehrsflächen.

In der modernen Architektur wird Wasser zudem gerne als gestalterischer Akzent, ökologischer Beitrag und zur Bereicherung der Lebens- und Gestaltungsqualität von Gebäuden genutzt wie zum Beispiel Swimmingpools oder direkt ans Bauwerk angrenzende Teiche, objektumfließende Wasserläufe oder Wasserspiele. Gebäude, die nah am Wasser gebaut sind, stellen eine besondere Herausforderung für die Abdichtung der betroffenen Bauteile dar.

Dicht halten auf Dauer

EPDM empfiehlt sich aufgrund seiner spezifischen Eigenschaften für praktisch alle Anwendungen in der Fassaden- und Bauwerksabdichtung, von der Bodenplatte bis zu den Wänden. Das flexible, leichte Folienmaterial lässt sich zu jeder Jahreszeit schnell verarbeiten und einfach an alle Gebäudegeometrien anpassen. Mit einer Dehnbarkeit von bis zu 500 Prozent sorgt es für dauerhaft elastische Verbindungen von Anschlüssen, auch bei Gebäudebewegungen, beispielweise durch Temperaturwechsel.

Dank seiner stabilen molekularen Struktur ist der Synthesekautschuk hoch widerstandsfähig gegen mechanische und chemische Belastungen und wurzelfest. Er verträgt sich mit den meisten anderen Baustoffen, ist funktionssicher bei Temperaturen von -40°C bis +100°C und resistent gegen UV-Strahlung, Ozon und – gerade im Fundamentbereich besonders wichtig – wirkt zudem als effektive Sperre gegen das gesundheitsgefährdende Radon. Das radioaktive Element kann bei unzureichend abgedichteten Gebäuden ins Fundament eindringen und sich in schlecht belüfteten Gebäuden anreichern.

Um sein vielleicht größtes Plus zu erfahren, braucht man allerdings einen langen Atem: Bis zu 50 Jahre und länger ist das Material nachweislich mit vollumfänglicher Funktion im Einsatz. Ein Spitzenplatz im Langlebigkeitsranking, der nicht nur wirtschaftlich denkenden Bauherren Freude macht, die auf Wartungsaufwand und Sanierungen gerne verzichten. Auch die Umwelt kann sich freuen: Mit seiner langen Nutzungsdauer gilt der schadstofffreie Werkstoff als derzeit wohl nachhaltigster Werkstoff für die Gebäudeabdichtung.

Zukunft im Blick

Im Bauwesen dreht sich zwar alles um Immobilien, die Branche ist dabei aber permanent in Bewegung, ständig auf der Suche nach noch besseren Lösungen und innovativer Architektur. Großformatige Glasfassaden werden immer beliebter, Hochhäuser immer höher, Designentwürfe immer kühner, auch im privaten Hausbau. Innovative Entwicklungen in der Architektur nutzen die Fassade heute schon für Photovoltaikanlagen oder als vertikale Grünfläche. Schon bald wird die Gebäudehülle intelligent sein, wofür elektronische, weitgehend autonom arbeitende Technologien mit verbaut – und geschützt – werden müssen.

Die Anforderungen an die Gebäudeabdichtung werden dadurch nicht geringer, im Gegenteil. Als besonders anpassungsfähiger und langlebiger Werkstoff ist EPDM auch innovativen Entwicklungen gewachsen.

Das zeigt sich auch ganz offensichtlich: Architekten haben inzwischen faszinierende Designoptionen mit EPDM entdeckt und setzen die Kautschukfolie sogar als sichtbares Gestaltungselement für die Außenwandverkleidung von Gebäuden ein. Die elastische Folie lässt sich in großen, werksseitig vorkonfektionierten Planen fertigen, die sich relativ einfach als Außenhülle auch für komplexe Bauformen verarbeiten lassen. Das homogene, fugenlose Material überrascht durch außergewöhnlich weiche, fließende Übergänge und ermöglicht neuartige, attraktive Gestaltungslösungen für aufsehenerregende Fassaden.

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